Der Alttag im Spreewald
Ein junges Paar geht in der Tracht der Großeltern- generation zum Dorffest.
Die Hausschlachtung wird heute noch in den Spreewalddörfern praktiziert, erspart es doch die oft weite Einkaufswege.
Wichtigstes Transportmittel, der Kahn
Die Familie Petrick in Raddusch feierte1988 ein besondcres Jubiläum: Ihr Tischlerei- und Kahnbaubetrieb bestand 100 Jahre. Die Vorfahren von Max Petrick waren aus dem benachbartcn Burg hierher gekommen, um sich eine neue Existenz aufzubauen.Neben dem Tischlerhandwerk spezialisierten sie sich auf den Kahnbau. Dieser Familientradition sind sie trcu geblieben, und heute gehört die Werkstatt in Raddusch zu den drei Betrieben im Spreewald, in denen Kähne hergestellt werden, sowohl aus Holz als auch aus Metall. 30 bis 40 Kähne je Jahr werden hier in Raddusch gebaut. In den mehr als drei Jahrzehnten, in denen Max Petrick die Werkstatt leitet, sind das sage und schreibe über 1000 Kähne! Fast zwei Drittel der Gesamtproduktion des Betriebes machen die Kähne aus. Für sie besteht nicht nur im Sprewald, sondern auch außerhalb der Lausitz eine große Nachfrage
. Von zehn Radduscher Kähnen - so der sorbische Tischlermeister, Jäger und Imker Max Petrick - werden sieben von Kahnfährleuten und Wochenend-Spreewaldbewohnern bestellt und gekauft.
Bei den verschiedensten Größen
Kein für Touristen gestelltes Bild:
Kein für Touristen gestelltes Bild: die Feuerwehr in Lehde. Ohne Kahn kann sie nicht üben und, wenn es ernst wird, auch nicht ausrücken und löschen. So wie hier ist sie in den meisten Orten des Spreewaldes aber weit mehr als nur die übliche Feuerwehr. Die Spritze zu bedienen, Schläuche auszurollen oder umgestürzte Bäume
an den Fließen zu beseitigen - das bedeutet für ihre Mitglieder stets auch Gemeinschaft und Gemeinnutz
Die weitverstreuten Siedlungen, die nicht leichte Arbeit auf dem Hof und dem Acker, das Hochwasser,
die Abgeschiedenheit besonders im Inneren des Spreewaldes haben schon immer einen besonderen
Zusammenhalt der Bewohner gefordert und gefördert. Gegenseitige Hilfe und Solidarität ist für den
Spreewaldbewohner eine Selbstverständlichkeit. Und so ist auch der Drang nach Gemeinsamkeit und
Geselligkeit überall zwischen Fehrow und Leibsch sehr groß. Die Jäger, Fischer,
Angler und Sportler stehen dabei den Feuerwehrleuten nicht nach.
Um die Jahrhundertwende konnte kaum Technik auf den von Fließen "gerahmten" Feldern eingesetzt werden. Der Spreewald wurde von bis
10 000 Bauern mit der Handsense, Harke und Spaten bewirtschaftet. Der Kahn: einziges Transportmittel vom Feld zum Gehöft und umgekehrt.
Einst konnte nur zu Kahn auf den Wasserstraßen der Verkehr von Haus zu Haus bewerkstelligt werden. Kühe, wie auf diesem alten Foto. mußten von einer Wiese zur anderen mit dem" Ochsen kahn " gestakt werden. Auch zum Markt fuhr man so. Der Postbote beförderte seine Briefe, Pakete und Zeitungen
auf diese Weise. Der Arzt fuhr per Kahn zu Patienten, die Hebamme zur Geburt, die Kinder zur Schule.
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Ansicht Heuschoberbau, auch heute noch
Abtransport
Der Spreewaldbauer Dieter Pschipsch aus Lehde zieht seinen mit Heu beladenen Holzkahn über einen geflutete Wiese. In jedem Winter werden die Wiesen im Biosphärenreservat Spreewald geflutet. Das Hochwasser bringt
wichtige Nährstoffe für den Boden mit. Die Heuschober erreichen
die Bauern entweder mit dem Schlitten oder dem traditionellen Spreewaldkahn.
Aufgenommen Winter 2004
Um die einmalige Kulturlandschaft des Biosphärenreservats Spreewald zu erhalten, ist eine funktionierende ökologische Landwirtschaft mit der Grünlandpflege notwendig. Mit Hilfe der Bürgerstiftung sollen traditionelle Formen der Bewirtschaftung wieder belebt werden. Früher wurden an den Fließen im Sommer Heuschober aufgestellt und das Viehfutter später per Kahn zu den Ställen gefahren. Auch Arno Kilka, Spreewaldbauer in vierter Generation, hat sich den veränderten Produktionsbedingungen
angepasst und presst das Heu in Rollen. Diese lassen sich auch als Futter besser verkaufen.
2008
Archiv - Foto Weißflog