Weltweit wird Ostern, das Fest der Hoffnung gefeiert Die Wenden in der Lausitz begehen dieses Fest mit vielen lebendigen Bräuchen und Sitten, deren Ursprung bis in die vorchristliche Zeit zurück reicht.
Das Osterfest ist eines der ältesten christlichen Jahresfeste. Auch für die evangelischen Wenden ist es das Frühlingsfest, der Übergang vom Winter zur warmen Jahreszeit. Am Grünen Donnerstag ist Abendmahlsfeier. Nach altem Kalender sollte an diesem Tag der Bauer die Aussaat beginnen, was mit besonderer Zeremonie erfolgte: Der Bauer erhielt gekochte Eier, die er auf dem Acker verzehrte. Die Schalen vergrub er mit der Saat; sie sollten für Fruchtbarkeit sorgen. Am Karfreitag ruhen die Arbeiten auch heute noch. Er ist der große Feiertag. Kirchgang für
jung und alt selbstverständlich. Es war auch der Tag, an dem Ostereier gefärbt wurden, die am Sonntag die Patenkinder und die eigenen erhielten. Die Wenden färbten die Eier dreifarbig, wurden sie mit Speck eingerieben glänzten sie besonders schön. Bei vielen Völkern
galt das Ei als Symbol der Vegetation und Lebenskraft. Eier verschenkte man schon in früheren Jahrhunderten seinen Kindern, Patenkindern; der Bauer schenkte sie dem Gesinde, dem Pfarrer und dem Lehrer.
In der evangelischen Niederlausitz war das Ostersingen
bis in die 50ger Jahre des 19. Jahrhundert üblich.
Ostersingen (Archivfoto) 1935
Ostersingen

In Burg war es üblich - noch in den 50er Jahren - daß das Ostersingen schon vor dem Fest begann: Auf einer Wiese nahe der Spinnstube trafen sich die Mädchen abends nach dem Sonnenuntergang und sangen ihre eingeübten Lieder. In der Osternacht, Sonnabend zum 1. Feiertag kam dann der Höhepunkt: Singend gingen die Mädchen durch die Gemarkung, entlang einer festgelegten Route. Drei-, viermal machten sie Station. Gastgeberfamilie war immer jene, von der ein Mädchen zur Spinte ging. Es gereichte zur Ehre für die Gastgeber, wenn die Sängerinnen bei ihnen einkehrten. Großzügig bewirteten sie die Mädchen. Dieser Rundgang dauerte bis Sonnenaufgang und endete stets am Hof der Spinnstubeneltern, jene, die Gastgeber für die Spinteabende waren.

Zu meiner Zeit, in Sielow gab es keine Spinnstube mehr , die Jugend schloss sich zur "Junge Gemeinde" zusammen
Spinnstube in Sielow 1931 / Mein Vater Friedrich Knick sitzt in der Mitte zwischen den Mädels., er war Jugendführer, so nannte man das. Meine Mutter sitzt etwas rechts eine Reihe über ihn, in dem bunt beszicktem Halstuch...
Ich kannte fast alle,
„Mit dem Osterfeuer verband man die Kraft der Sonne und des nahenden Sommers... Es hatte aber auch eine Schutzfunktion. So glaubte man, daß so weit, wie das Feuer scheinen würde, die Gebäude im Dorf vor Brandgefahr gefeit" seien (Ute Henschel). Aus einer Burger Überlieferung: „Am Rande des Dorfes, wenn in der Osternacht die Kirchenuhr Mitternacht zum Schlage ausholt, flammen weit hinten auf den Spreewaldwiesen die Osterfeuer auf." Die Burschen sitzen am Feuer, trinken und singen, um später allerhand Schabernack im Dorfe zu treiben.
Heute versammeln sich am Osterfeuer Familien mit Kindern, natürlich die Mädchen. Die Burschen überspringen die Glut, wohl mehr aus Übermut, als im alten Glauben: Wenn ein Bursche mit seinem Mädchen über das verlöschende Feuer springt, dann wird es seine Frau. Wer den Sprung aber nicht schaffe, habe schlechte Aussichten zum Altwerden. Heute kommen viele aus der Stadt, um das nächtliche Treiben am Feuer zu erleben, das längst aber nicht so turbulent und gefährlich verläuft. Meist geruhsam und besinnlich, gut bewacht von der Feuerwehr, mit „Wasser Marsch",
wenn es nottut.
Foto: Lausitzer Rundschau Ostern 2007
Osterwasser
Diese Zeremonie in der Nacht zum Ostersonntag war besonders geheimnisvoll. Sie geschah in der Nacht bis Sonnenaufgang. Junge Mädchen schöpften mit einem Tonkrug Wasser aus einem fließenden Gewässer. Schweigend zog man zum Gehöft. Der Zauber der Osternacht durfte nicht durch Sprechen gestört werden, sonst verwandelte sich das Osterwasser in „Plapperwasser". Dann wuschen sie sich mit dem Wasser Gesicht und Hals, denn das Osterwasser verleiht dem Gesicht für das ganze Jahr Schönheit und Frische. Das Vieh wurde besprengt, weil Osterwasser Krankheiten fernhält. „Eine beliebte Stelle", so verriet Willibald von Schulenburg seinen Ort, „um Osterwasser zu holen," soll an der Grenze von Müschen und Burg gewesen sein. In Burg-Dorf schöpfte man das Osterwasser nahe der Mühle.
Mädchen schöpft Wasser (Archivfoto) 1950
In der Lausitz vergnügten sich die Kinder auch noch beim „Wallein“ Sie lassen die Eier eine abschüssige Bahn herunter rollen und versuchen die Eier der Mitspieler zu treffen.
Ein Spiel, Ostereier walein
Der Brauch des Ostereier verziehren stammt ursprunglich aus der Oberlausitz, den Sorben. Die Wenden haben diesen Brauch übernommen, Das Ei wurde seid her als Symbol des Lebens, der Fruchtbarkeit und Stärke angesehen. Die farbenfreudigen und in verschiedenen Techniken verzierten Eier sind über die Grenzen der Lausitz bekannt. Eier die in den bekannten wendisch Techniken mit traditionellem Handwerkszeug verziert werden. Das sind die Wachsbatiktechnik (ein und mehrfarbig), die Kratztechnik, die Ätztechnik so wie die beliebteste Wachsbossiertechnik ( ein und mehrfarbig ).
Ein traditionelles Ostergeschenk.
wendische Ostereier aus dem Spreewald (1869)
Von der Ostersemmel weiß man heute wohl nur noch aus alten Büchern. Am 1. oder 2. Osterfeiertag holten sich die Kinder von ihren Paten ihre Ostergeschenke: Ostereier und die Ostersemmel. Sie hatte, wie eine Überlieferung besagt, in Burg eine stattliche Länge von 1 bis 1,5 Fuß (von der Länge eines Männerfußes abgeleitetes Längenmaß). Ein runder Fleck in der Mitte gab den geringeren oder größeren Preis derselben an
Als ich diese wendische Tracht trug, damals trugen die Kinder im allgemeinen nicht mehr die wendische Tracht, nur ein paar wenige Eltern glaubten wohl, den Brauch noch mal aufleben zu lassen oder wieder zu beleben. Wir waren nur wenige Kinder,
Aus meiner Erinnerung. Wir Kinder durften zu Ostern bei den Paten unser Geschenk abholen. Wenn man mehrere Paten hatte und diese lebten in verschiedenen Dörfern, das war meistens der Fall, dann war man gut beschäftigt über Ostern.

Meistens fuhr man mit dem Fahrrad. Meine Mutter stammte aus Drachhausen, eine geborene Goschmann. Ich hatte also auch 3 Patentanten in Drachhausen, meine Geschwister auch. Mein Vater war Dorfschmied er war auch ein guter Hufschmied, so kamen wir dann auch mal zu einem Pferdegespann, welches uns die Großbauern ausliehen. (Wir selbst arbeiteten mit einem Kuhgespann.) Man lieh uns also Pferd und Gummiwagen. es wurden Bretter auf den Wagen installiert, sie dienten als Sitzbänke. Oft sind dann auch ein paar andere Kinder aus Sielow mitgefahren die auch Paten in Drachhausen hatten.

Mit 12 Jahren wurde dann den Paten gedankt. Mein Dankspruch lautete:

Heute komm ich zum letzten mal zu Euch nach Ostereier,
oh liebe Paten nehmt den Dank für Eure Sorg und Müh,
die ihr an mir getan von meiner Taufe an.
Von Herzen dank ich euch für diese Ostergabe,
die ich ein jedes Jahr von Euch empfangen habe.

Ja, und ab jetzt wurde uns das Ostergeschenk gebracht, es waren 2 Jahre bis wir 14 waren und konfirmiert wurden.