Wenn der Wende / Sorbe auf den Indianer trifft
Kulturenvielfalt war das Thema eines Kongresses in Senftenberg.
Links im Bild ist eine Wendin
Die Wenden haben ihre Heimat im Spreewald Niederlausitz,
die Sorben leben in Oberlausitz und Sachsen. Natürlich leben hier ein paar Sorben, dort ein paar Wenden. Das ändert aber nichts an der oben genannten Tatsache.
Internationaler Philosophenkongress machte an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg Station
Wenden , Tuareg, Sinti und Roma, Aborigine Massai und Indianer:
Raül Fornet-Betancourt
Gerd-Rüdiger Hoffmann von der Rosa-Luxemburg-Stiftung erzählt, dass es so etwas gibt", erzählt FHL-Präsidentin Brigitte Klotz. Ein Jahr später fand sie sich bereits auf dem Philosophen-Kongress
in Sevil­la wieder und merkte: „Wir stehen mit unseren Problemen in Senftenberg - die aus dem Rückzug der Braunkohle oder dem Umbruch nach der Wende resultieren - nicht allein da. Darauf sollte man die Senftenberger aufmerksam machen. Und die anderen sollten auf Senftenberg aufmerksam werden." Sie fand in Gerd-Rüdiger Hoffmann und Raul Fornet-Betan­court vom Missionswissenschaftlichen Institut Aachen - gebürtiger Kubaner und Initiator der Kongresse - Partner. Vom 23. bis 27. Mai war es dann soweit: Etwa 40 Philosophen, Theologen, Ethnologen und Sozial- und Kulturwissenschaftler aus aller Welt kamen zu der geplanten Veranstaltungen
„Auch wenn es keiner wahrhaben will: Der Umgang mit den Wenden/Sorben interessiert die Leute aus Asien und Afrika."
Laut Fornet-Betancourt,
In einem Kloster in Südindien entstand die Idee, den 6. Internatio­nalen Kongress für Interkulturelle Philosophie doch in Senftenberg, im tiefsten Osten Deutschlands, abzuhalten. Der der Gedanke Wirklichkeit - nach Mexiko-City, Sao Leopolde, Aachen, Bangalore und Sevilla kamen Philosophen und andere Wissenschaftler aus 18 Ländern in die Lausitz. Sie wollten in der Region, die für Kulturwandel, die sorbisch/wendische Minderheit und Umbrüche steht, über Dominanz der Kulturen und Interkulturalität sprechen. Dabei sollte es nicht nur hochwissenschaftlich zugehen, sondern auch die Öffentlichkeit zu Wort kommen. VON STEFFI SCHUBERT
Die Fachhochschule Lausitz (FHL) war Gastgeberin für den Kongress „

Es hat Vorträge und Diskussionen an der FHL und im Bürgerhaus Wendische Kirche geben, für die sich auch Interessenten aus der Region anmelden konnten, aber auch öffentliche Abendveranstaltungen. Kathinka Rebling und Bert Greiner von der FHL werden beispielsweise über sorbisch/wendische Musik, Folklore und kulturelles Selbstbewusstsein sprechen. Der Priester und Philosoph Raimond Panikkar, der am Rand der Pyrenäen wohnt, sieben Sprachen spricht und über 90 ist, wird über Weisheit reden. Das Thema „Dominante Kultur und Kapitalismus" hat der Ökonom Franz-Josef Hinkelammert aus Costa Rica beleuchtet.

Und auch der indische Mönch und Philosoph Vincent Furtado war dabei - er war es, der als erster Senftenberg als Tagungsort ins Gespräch brachte, und das in einem Kloster in Südindien. Er gehört zum engeren Kreis der Kongressvorbereiter und stieß mit seiner Idee erst auf Erstaunen. Doch dann nahm sie Gestalt an.

In Senftenberg hat ein Austausch stattgefunden, der sich um das Thema „Interkulturalität" rankte -um das Zusammenleben verschiedener Kulturen und die Frage, was aus Kultur und Erinnerungen wird.

„Es sollte sich der Wende / Sorbe mit dem Indianer darüber unterhalten,
wie beide sich als Mensch in einer Minderheit erleben", so
Raul Fornet-Betancourt.

„Auch wenn es keiner wahrhaben will: Der Umgang mit den Wenden / Sorben interessiert die Leute aus Asien und Afri­ka." Laut Fornet-Betancourt, der schon mehrmals in Senftenberg war, habe der Mensch nur die Wahl zwischen Interkulturalität oder Barbarei. Und Interkulturalität sei eine Chance, die Welt humaner zu machen. „Ich freue mich, dass wir in Senftenberg tagen, weil es stellvertretend für Europa steht mit dem großen Problem, sich neu positionieren zu müssen. Senftenberg ist ein Beispiel für die Frage, welche Zukunft ,Provinzen' in Europa haben." Neben Vorträgen sollen die Teilnehmer auch etwas von der Lausitz und ihren wirtschaftlichen und kulturellen Besonderheiten sehen, die aus der über einhundertjährigen Dominanz der Braunkohleindustrie resultieren.

Es ist ja auch schon ein Gewinn, wenn Menschen verschiedener Kulturen zusammen treffen und Strategien diskutieren, wie es weitergehen soll",
sagt Raul Fornet-Betancourt.

Obwohl die Tagung schon ein paar Jahre her ist,
hat sie doch an Aktualität nicht verloren.