Vom Wassermann dem Nix

erzählen viele mythenreiche Geschichten: Zahlreich, wie die Wasserläufe im Spreewald, sind auch die Legenden vom Nix, der in ihnen seine Wohnung haben soll, der so unberechenbar als Dämon des Wassers erscheint. Er lebt wie ein Mensch. Hat gleiche Gestalt und kleidet sich gern in Rot oder trägt eine grüne Jacke. Die Geschichten und Lieder vom Wassermann entsprangen der zweiseitigen Beziehung der Spreewälder zum „Mütterchen Spree". Sie bedeutete Reichtum und Leben: Der Nix taucht auf als Bräutigam, wenn die Wiesen üppig blühen, die Äcker fruchtbar sind, der Fischreichtum satt macht. Kam Hochwasser, das die am Wasser Wohnenden bedrohte, erschien der Nix im Volksglauben als Mörder. Und er kam viel zu oft. Hochwasser vernichtete manches Jahr die Saat oder die Ernte, brachte Not und Elend über die Spreewaldbauern. Allein von 1896 bis 1933, also in 37 Jahren kam 124mal „der Nix als Mörder". Schlimm war es 1926/27 - totale Mißernten. Innerhalb von vier Wochen überschwemmen mehr als 1000 Millionen Kubikmeter Wasser den Spreewald. Und der Winter darauf (1928/29) brachte die nächste Katastrophe: Eiseskälte, große Schneemassen. Als es taute, war Hochwasser vorprogrammiert, es übertraf im Burger Raum die Vorjahresflut. Eismassen mußten gesprengt werden, um Durchlässe zu schaffen. Und was denn das Hochwasser nicht machte (mit Bau des Umflutersystems und der Talsperre Bräsinchen bei Spremberg ist diese Gefahr gebannt), brachten Dürrejahre, viel zu früher Hagel oder andere Wetter fertig.

Von dem Wahrhaftigen aber nun zum sagenhaften Wassermann, auch Nix genannt. Einmal geschah es, daß ein Nixvater dem heimlichen Geliebten seiner Tochter die Kehle durchbiß. Ein anderes Mal lebte ein Nixenmann gar mit einer Menschfrau lange Zeit einträchtig im Unterwasserschloß. Sie gebar ihm ein Kind und alles schien gut. Da bekam die Menschenfrau eines Tages Sehnsucht nach der Sonne, nach dem Gesang der Vögel, dem Duft der Blumen, nach Glockengeläut und Menschennähe. Der Nix gab ihr Urlaub, verlangte aber, sie möge die Kirche verlassen , bevor der Pastor die Gemeinde segnet. Die junge Frau hielt sich nicht daran.

Da fuhr der Nix aus dem Wasser, riß ihr das Kind aus den Armen, nahm sich die eine Hälfte und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Viel später dann sagte man, wenn jemand ins Wasser stürzte und ertrank: Den hat der Nix geholt.

Das goldene Kalb
In Burg-Kauper sieht man des Nachts um 12 Uhr auf einer Brücke ein Kalb ohne Kopf stehen.
Wer da vorüber will, der kann es nicht, sondern muß wieder umkehren. Das Wasser unter der Brücke, auf der das Kalb steht, fängt an zu wallen und zu zischen. Geht man des Nachts auf dem Wege zur „Penke", so sieht man öfters einen hellen Schein. Kommt man näher hinzu,
so ist es ein goldenes Kalb, das mitten auf dem Wege steht. Auch dieses läßt den nächtlichen Wanderer nicht vorbeigehen. (Erzählt von Margarete Rulla aus Burg