Weideorakel

Nicht so bekannt ist, daß auch der Schriftsteller und Journalist (1884-1966) Ehm Welk eng verbunden war mit dem Spreewald. In der Lübbenauer Dammstraße 26 schrieb er seine Werke „Die Heiden von Kummerow" und „Die Gerechten von Kummerow". In seinem Roman „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer" (1938) erzählt er eine Überlieferung über „merkwürdige Weidenbäume". „Sie waren in der Mitte gespalten" (auf unserem Foto sieht man so ein Exemplar, aufgenommen auf dem Parkplatz am Burger „Waldschlößchen"). „Hatte eine Mutter ein Kind und solches war schwächlich oder kränklich, so suchten sich die Eltern einen ganz jungen Weidenbaum aus." Der Vater spaltete denselben in der Mitte...und während er den jungen Stamm auseinanderzerrte und festhielt, zog die Mutter das Kind durch den Spalt der Weide. Das sollte zur Folge haben, daß alle Krankheiten und schlechten Säfte, so in dem Kinde steckten, in die Weide übergingen. Überdauerte die Weide den schweren Eingriff, dann blieb auch das Kind,
ging die Weide ein dann war damit zu rechenen, dass das Kind nicht alt wurde.

Die Nachtjäger

Gemeint sind nicht etwa die Jägersleut, die des nachts auf die Pirsch gehen. Nein, die Geschichten über die „Nachtjäger" sind gruselig. Den Menschen angstmachend, brausten sie als Sturmwind, tobten sie als Jäger wild umher. Keiner sah je einen, doch behauptet wird, sie hätten keine Köpfe, auch ihre Hunde und Pferde nicht. So kopflos sausen sie durch die Luft oder preschen über Wasser. 1880 veröffentlichte eine Zeitschrift eine „Praehistorisch-mythologi-sche Karte von Burg, nach einer eigenen Sammlung gezeichnet von Willibald von Schulenburg". Auf dieser Zeichnung sind „Standorte" von Nachtjägern eingezeichnet: nördlich vom Schloßberg, Nähe Buschmühle, im westlichen Teil auf dem Weg nach Leipe, vor Maschen und Straupitz, auf den Kaupen...

Diese Geschichte wurde erzählt: Ein Mann kehrte eines Abends auf dem Weg von Lübben nach den Kaupen zurück, in welchen er wohnte. Plötzlich hörte er den Nachtjäger hoch oben in den Lüften hinjagen - mit Gebrüll, Gepfeife und Geschrei. Der Mann, aus lauter Furcht, pfiff und bellte mit, ganz laut bis zu seinem Hause. Da ertönte eine Stimme: „Hast du mit mir gejagt, so kannst du auch mit mir essen." Und dann fiel ein halber Hirsch auf die Erde. Vor lauter Angst stürmte der Mann jedoch in sein Haus. Am anderen Morgen, wie erstaunt war der Kauper: alles war verschwunden, keine Spur mehr von dem Hirschbraten.